Dienstag, 23. März 2010

Gartenzeit

Während Volker in der Weltgeschichte unterwegs ist, stehe ich meist etwas eher auf. Momentan ist es morgens besonders schön und somit trinke ich meine erste Tasse Kaffee, wie früher in FL auch, auf der Terrasse. Heute morgen hatte ich sogar Besuch dabei, von einem Kolibri.

Der Frühling in Südtexas ist ziemlich kurz, mit ein wenig Glück dauert er etwa 4-6 Wochen. Danach ist es normalerweise wieder heiss, und dann verkriecht man sich ins klimatisierte.
Wer also einen schönen Garten haben möchte, hat genau diese paar Wochen zeit, seine Pflanzen auf einen brutalen Sommer vorzubereiten. Unser Nachbar ist schon seit Tagen wie ein Wahnsinniger am schuften, und auch bei uns tut sich ab und an etwas.

Ich weigere mich die Hoffnung auf eine schöne grüne Oase aufzugegeben. Die Aussicht auf ein paar bunte Lichtpunkte und Tierchen im Garten lässt mich weiterhin Schaufel und Harke schwingen. Die Mücken vermiesen mir zwar meist ein längeres Arbeiten, selten wird es mehr als eine Stunde am Stück, aber zumindest kann ich ein bischen was machen. Als Anfänger mit wenig bis gar keiner Gartenerfahrung, geht das meiste nicht immer gleich wie es soll, aber ich hoffe mit der Zeit ein wenig mehr Gefühl für das Ganze zu bekommen.

Als erstes war unser Rasen dran. Nach all den Strapazen des letzten Sommers wollten wir ihm etwas gutes tun. Schön grün mag man es ja und das olle Unkraut hatte sich eh zu breit gemacht.
Mein erster Versuch, eine hochgelobte und viel empfohlene Tüte Dünger mit Unkrautvernichter (gegen 25 verschiedene Sorten dieser unerwünschten Pest), brachte allerdings, um es vorsichtig auszudrücken, nicht den gewünschten Erfolg. Der Rasen ist jetzt zwar schön grün, aber leider ist es das Unkraut auch - und es ist fast dreimal so hoch wie der Rasen gewachsen. Mein Versuch, die größten Widerlinge rauszureißen, gab ich schnell auf. Texaserde rückt nichts freiwillig raus. Äußerst frustrierend.

Unsere Hecke, zumindest war es ursprünglich mal eine, sah mir auch sehr vernachlässigt aus. Nachdem die eine vor unserer Terrasse schon letztes Jahr weichen musste, und wieder schön nachwächst (wenn auch sehr langsam, siehe Bild), nahm ich mir den Rest für's Frühjahr vor.
Da die spärlichen Überreste etwas Schatten spenden und unsere Mülltonne verdecken, wollte ich nicht komplett bodennah gehen. Ich habe nur jede Menge totes Holz entfernt und teilgestutzt, so dass Licht reinkommt und sie von unten langsam nachwachsen kann. Unser Rasenmähermann ist trotzdem fast in Ohnmacht gefallen. In seinen Augen habe ich sie wohl geschlachtet, nein - zerpitzelt. Ich gebe zu, es sieht etwas komisch aus, aber neue Triebe kommen, somit müssen wir uns nur in Geduld üben. Immerhin sieht sie wieder frisch grün aus, und regelmäßiges Trimmen wird den Rest bringen.

Das Hochbeet in der Ecke rappelt sich so gut wie gar nicht. Mein Spathiphyllum mickert vor sich hin und alles andere wächst eigentlich auch nicht groß. Zumindest hat der Rest den Frost überstanden, somit kann ich das als kleinen Erfolg verbuchen. Weitere Pflanzen sind geplant, aber noch nicht gefunden. Die einzige Beschäftigung bisher ist Unkraut zupfen, eine Vollzeitbeschäftigung.


Etwas mehr Erfolg scheine ich mit unseren Blühpflanzen zu haben. Ich bin zwar noch weit von "wie aus dem Gartenkatalog" entfernt, aber jeder fängt mal klein an. Hier ein paar Bilder:

Meine Sonnenscheinchen im Garten. Sie machen mir besondere Freude. Ich weiss nie welche Farbe am nächsten Tag dran ist: gelb, gestreift, orange - immer wieder eine Überraschung.




Die Mexican Flame mag ihren Platz hinter'm Haus auch. Gerade heute habe ich gelesen, dass sie sehr leicht zu vermehren ist. Tatsächlich habe ich bereits kleine Pflänzchen entdeckt - und ich werde somit weiterzüchten :)


Der Jasmin sah nicht so aus, als wolle er am Anfang (er ist ein Retterchenkauf meiner Schwester), aber nun hat er sich doch entschlossen uns zu belohnen.


Nelken, Mama würde sich freuen. Sie hat Nelken immer besonders gemocht. Ich hatte sie im letzten Jahr im Baumarkt für 10 cent gerettet, falls ihr euch erinnert, und nun erfreuen sie mich mit zahlreichen Blüten. Das Eichblatt mag mich leider wohl nicht.


Auch ein besonderer Pflegling: Konzis Knock-out Rose. Momentan blüht die erste Knospe des Jahres und schön groß ist sie im Durchmesser auch.


Ich habe gelernt hauptsächlich einheimische Pflanzen zu kaufen. Leider ist das einfacher gesagt als getan. Hier findet man sie nicht so einfach. Um so erfreuter war ich, als ich in unserem Baumarkt eine Blue Bonnet entdeckte. Sie ist die Staatsblume von Texas und ich hoffe sehr, sie irgendwann mal mit wunderschönen, blauen Blüten zu erleben (siehe zweites Foto).



Den wohl größten Erfolg hatte ich mit meiner Tomatenzucht. Erinnert ihr euch noch? Ich hatte über 200 Tomatenpflanzen vor dem letzten Sommer, überlebt haben ganze zwei. Wenigstens kann ich euch noch die massige Ernte zeigen:

Unsere erste (und einzige) Tomate, einen ganzen Zentimeter groß, wurde fair zwischen Volker und mir geteilt. Lecker war sie jedenfalls!
Ach ja, und wir sind wieder in der Limettenzeit. Da scheine ich keine große Arbeit reinstecken zu müssen. Die Früchte erschlagen mich wieder, und dieses Mal in Zitronengröße.

Aktuell: Gerade eben 24.3.'10 um 5:37 pm habe ich eine 2 cm große Tomate von unserer gekauften Pflanze geerntet!! Luxus! Allerdings ist es auch eine Kirschtomate, da werden die Kullerchen nur etwa 2.5 cm groß ...

4 Comments:

At 7:29 AM, Anonymous Anonym said...

Hallöle!
Bin ganz neidisch auf deine Farbenpracht. Ich habe gerade die kläglichen Überreste des letzten Jahres vom Balkon in eine große Mülltüte verfrachtet... da ist leider nichts am Leben geblieben, bei dem Winter. Neues zu kaufen traue ich mich noch nicht, wer weiss was da noch für Wetter kommt.War so stolz auf meinen großen, 5 Jahre alten Rosmarin.Jetzt steht er an der Straße...
Freue mich schon auf deine nächsten Experimente
Katrin

 
At 10:29 AM, Anonymous michaela said...

Ach wie schade. Wir haben auch einen Rosmarin im Garten, kann es dir somit nachempfinden. Der blühte sogar letztens, aber jetzt ist er wohl erstmal am Pausieren.
So langsam wird es doch wohl besser mit dem Wetter, oder? Ich vermisse ein wenig die Schneeglöckchen, Krokusse, Glockenblumen und Tulpen. Für mich sind sie die wahren Frühlingsboten.

 
At 2:57 PM, Anonymous Anonym said...

Michaela, sei nicht so ungeduldig. Im Gegensatz zum letzten Jahr blüht doch schon einiges im Garten und auch die "Nutzpflanze Tomate" wird ja diesmal zur richtigen Zeit gepflanzt. Also habe Hoffnung! Bei dem Boden (ich kann das beurteilen) ist es auch gar nicht so leicht, das richtige Pflänzlein zu finden. Also weiter experimentieren. Ich drücke die Daumen.
Sigrid

 
At 6:22 AM, Anonymous Inchen said...

Sieht doch schon wunderschön aus. Kommt alles klein bei klein. Mir sind bei diesem harten Winter auch einige Koniferen erfroren. Sowie hier die Pflanzzeit richtig los geht werde ich sie wohl ersetzen müssen wenn ich einen schönen Blick aus dem Küchenfenster haben möchte. Wir hatten zwar jetzt fast eine Woche frühlingshafte Temperaturen aber ich bin dienstmäßig einfach nicht in den Garten gekommen. Und jetzt pünktlich zu Ostern wird es wieder kalt. Bä. Da wird das wohl nix mit Osterfeuer gucken. Keinen Bock auf frieren im Regen. Übrigens: Deine Rehe waren köstlich. So ungefähr hat es diesen Winter auch ausgesehen.Sascha kommt über Ostern ( ich habe Ostersonntag frei, Ostermontag hat es mich dienstmäßig wieder erwischt). Müssen nachher noch einkaufen gehen, denn wenn Kind da ist, muß der Kühlschrank für Winnis Freßfeind anders bestückt sein als normalerweise :-)Wünsche schöne Ostereier nach Texmex und frohe Ostern.

 

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