Freitag, 25. August 2006

Gainesville im Überblick

Die einen oder anderen wissen ja nun schon wie es in Gainesville aussieht, aber da hier gerade das Semester angefangen hat, und es gerade somit aktuell ist sich mit unserer Studentenstadt vertraut zu machen, gebe auch ich euch einen Überblick.

Laut Statistik (es gibt keine neuere als die von 2003, also vielleicht hat es sich noch nicht verändert) hat Gainesville ungefähr 110000 Einwohner. Während der Semesterpause weniger als halb so viele, da fliegen die Studenten nämlich aus. Vorletzte Woche kamen sie nun wieder alle zurück und neue Gesichter kamen dazu. Der Beginn eines Chaos hier in Gainesville. Die Apartmentkomplexe stehen voll mit Umzugswagen, und man kommt kaum aus seiner Parklücke, da alles gnadenlos blockiert wird. Unsere riesigen Müllcontainer laufen über, und somit wird fröhlich alles daneben geschmissen. Ich habe mich dazu entschlossen es "Leben wie Oscar in der Mülltonne" zu beschreiben. Die letzte Woche hat es sich schon gelegt, aber dafür waren die Geschäfte voll. Für meine Leser in der Berufssparte "Einzelhandel" beschreibe ich es so: Weihnachten und Schulanfang zur gleichen Zeit. Die Neuzugänge richteten sich ein, mit Mami und Papi im Schlepptau, sehr schön zu beobachten. Momentan sieht man viele mit Kameras durch die Strassen laufen, Fotos machen und den Campus erkunden. Die erste Woche Uni, und Gainesville ähnelt einem kopflosen Hühnerhaufen. Die letzten zwei Tage habe ich versucht die Strassen zu meiden, da, egal wo, man ewig in einen Stau geriet. Nun, auch das wird sich in den nächsten Wochen legen, ausser zu den Gator-Games, die bald beginnen, und generell ein Chaos verursachen. Hatte ich schon erwähnt, dass Gainesville SEHR sportlich ist? Wie es sich für eine Studentenstadt gehört ist das Sportangebot riesig, aber am verbreitesten ist Jogging. Kein Wunder, es gibt viele schöne Ecken hier zum Laufen.

Gainesville ist auf den ersten Blick “grün”, und wie grün sieht man auch an dem Spitznamen: Tree-City. Ein besonderer Blickfang ist das Spanische Moos, das hier von den Zweigen hängt. Es ist wirklich toll, wieviele Bäume hier die Strassen säumen. Die Eichhörnchen der Stadt müßten eigentlich gar nicht über die Straße laufen, die Baum-Autobahn würde sie überall hinlassen. Ich glaube, der Anteil an Studenten kann in der Menge nur von Eichhörnchen und Insekten geschlagen werden. Ach ja, und von Alligatoren – unseren Stadtmaskottchen.

Albert und Alberta, wie die beiden heißen, sind bei jedem Footballgame dabei. Unser Ben Hill Griffin Stadium wurde gerade erst vergrössert, damit auch alle Gatorfans einen Platz bekommen. Unser Stadium fasst mehr als 90 000 Besucher, und ist dieses Jahr, wie auch schon letztes Jahr fast ausverkauft für alle Spiele. Die "Gators" sind hier das coolste und wichtigste. Der Gatorlook, orange und blue T-Shirts, Shorts und was-es-noch-so-davon-gibt bestimmen dann das Stadtbild – überhaupt, alles in Gainesville dreht sich um die Panzerechsen. Sogar ein eigenes Sportgetränk haben sie hier erfunden, und dreimal dürft ihr raten wie das heißt - “Gatorade”, na klar. Wer hier im “Swamp” wohnt braucht Energy drinks, da dieses feucht-warme Klima ganz schön schlauchen kann.

Unser Wetter ist eigentlich einfach zu beschreiben. Wir haben eine trockene und eine feuchte Jahreszeit. Die besten Monate sind Dezember bis Mai, da ist es gewöhnlich trockner und die Temperatur angenehm, wenn es auch morgens schonmal schw...kalt sein kann. Letztes Jahr hat sich sogar das Laub mal richtig klasse bunt gefärbt, was man sonst nicht so mitbekommt. Anfang Juni geht es dann los. Die Regenzeit, oder besser gesagt, die Hurricane Saison, beginnt, und dauert bis Ende November an. Tägliche Schauer sind dann üblich. Es ist daher auch sehr einfach den typischen Look hier zu beschreiben: T-Shirt, Shorts, Flip-Flops, Cappi, Sonnenbrille und Regenschirm. Allerdings habe ich mehrfach festgestellt dass, wenn es heftig regnet, einem der Schirm auch nicht viel hilft. Gott sei Dank ist es ein warmer Regen, und so ist das ganze halbwegs erträglich, wenn man mal wieder "gesoakt" wird. Wen das überhaupt nicht zu stören scheint sind unsere Frösche hier. Sie kommen nach jedem heftigen Guß aus ihren Löchern um ihr musikalisches Talent unter Beweis zu stellen, lautstark.

Wer, wie ich, gerne Tiere beobachtet , findet mit Sicherheit genügend Plätze. Am beliebtesten sind Lake Alice oder der Aussichtssteg zu Paynes Prairie Preserve State Park. Wer sich nicht so unter das lebendige Florida traut, geht in eines unserer Museen. Kultur kommt an zweiter Stelle. Das Hippodrome, unser Theater, habe ich noch nicht von innen gesehen, aber es soll gute Stücke zeigen, teilweise auch von unseren Studenten aufgeführt - aber ich bin nunmal nicht so der Theatergänger. Internationale Feste sind hier Gang und Gebe, kein Wunder bei dem internationalen Publikum. Von einem deutschen Kulturabend habe ich allerdings noch nichts gehört.

Am Wochenende geht man Downtown, um sich im Restaurant, Club oder einer Bar zu treffen. Dann ist es auch immer rappelvoll. Während der Woche hat man höchstens das Problem einen Kaffee zu bekommen, was aber nicht an mangelnden Coffee shops liegt, sondern daran, das man keinen Parkplatz bekommt, oder keinen Parkschein für die Campusgegend besitzt, in der viele nette kleine Restaurants sind. Sehr beliebt sind auch die Oaks Mall und Butler Plaza, unsere Einkaufscenter, oder die Kinos hier. Eigentlich gibt es somit genug zu sehen oder tun, trotzdem hat Gainesville für uns den Kleinstadt Charakter mit Dorfflair, und das mögen wir.

Ich glaube, jetzt habe ich so ziemlich alles wichtige erwähnt, solltet ihr aber trotzdem noch etwas neugieriger sein, wisst ihr ja wo ihr fragen könnt, über Kommentare freue ich mich immer.

2 Comments:

At 5:40 AM, Anonymous Anonym said...

Na, da seid ihr ja richtich, vonne Kleinstadt inne Kleinstadt. Nur das Lehrte eben KEIN flair hat und wohl auch niemals nich haben wird, trotzt Verschönerungsmaßnahmen :-)

 
At 10:12 AM, Anonymous Anonym said...

Martin, soweit es mein Wissen angeht, wurde das Stadion nach der Person benannt, die ein paar gute Taler (Donald Duck, nicht nur paar Kröten...)an die Uni hat fliessen lassen. Hier kann man sich mit großzügigen Spenden seinen Namen auf dem Campus erkaufen. Du kannst zum Beispiel Strassennamen damit ändern, Gebäude nach Dir benennen - oder Stadien. Dabei werden dann so einprägsame Namen wie North-South-Drive in Gale-Lemerand-Drive umgetauft, und keiner weiss mehr wo das ist ;-)
Guck doch auch mal hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Ben_Hill_Griffin_Stadium

 

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