Freitag, 11. August 2006

The American Dream - eine deutsche Waschmaschine


Ein Problem, das ich bereits in "Schicksale die ich einfach hinnehmen muss" eingereiht hatte, ist das Wäsche waschen.
Nachdem Verona es netterweise angeschnitten hat (Danke, an Dich), muss ich meinen Senf jetzt auch dazu geben.
Wenn man als Deutscher in die USA kommt, kann man sich an fast alles gewöhnen, und man lernt auf einiges zu verzichten, aber es gibt zwei Dinge, die man sich sehnlichst wünscht: Knuspriges Brot und eine deutsche Waschmaschine.
Mein ganz normaler Wäscheberg, bestehend aus zwei bis drei Ladungen (weiss und bunt), ist für mich hier ein Kinderspiel. Innerhalb einer Stunde habe ich alles gewaschen und in den Trockner gestopft. Ihr habt euch nicht verlesen, mehr als eine Stunde brauche ich dafür nicht. Die Frage, die sich automatisch ergibt "Ja wird denn das überhaupt sauber?" dauert länger zu beantworten.
Unser amerikanisches Modell, Marke Hotpoint, hat nämlich ein Problem. Es hat gar keinen HOT POINT. Amerikanische Waschmaschinen zeichnen sich dadurch aus, das sie eine Trommel haben, die locker Wäsche für drei Haushalte fassen kann, und mit einer Lebensdauer kommen, die meine übertrifft. Das ist auch gar kein Wunder, denn die Technik die darin steckt erscheint mir mindestens 30 Jahre alt. Wenn ich mir meine Toploader-Rührschüssel angucke, fällt mein Blick auf eine Emailletrommel mit Löchern, die Ähnlichkeit mit Omas Seiher hat. Es gibt drei Temperaturstufen: Kalt, warm und heiss. Heiss ist aber nicht hot, und hot heisst auch nicht Kochwäsche. Kochstufe gibt es hier nicht. Hey, die Wäsche soll sauber werden, wir wollen sie nicht essen!
Für die reinweisse Wäsche gibt es hier zahlreiche Mittelchen. Ich wette nirgendwo gibt es eine grössere Auswahl an Putzmitteln als in Amerika. Amerikaner sind besessen von dem Gedanken an Bakterien. Germs, oh Gott! Um die Wäsche sauber zu bekommen, gibt es daher einen todsicheren Killer: Bleiche. Und damit der Geruch auch stimmt, gibt man Odor Eraser dazu. Die Wäsche ist nun einigermassen akzeptabel. Wie sie aussieht, wenn sie aus der Maschine kommt, ist ein anderes Problem. Meine guten deutschen Bekleidungsstücke sind inzwischen zu Putzlappen verarbeitet worden. Wäsche, die aus meinem Washer kommt, gleicht einer Platine, überall sind kleine Bumps, Knötchen. Aber das macht ja nichts, Klamotten kann man hier preiswert kaufen, und wer will schon ewig mit dem gleichen Zeug rumrennen???
Unsere Bekannten, er Deutscher, sie Amerikanerin, sind vor kurzem nach Deutschland gezogen. In einer Email schrieb sie wie glücklich sie ist - mit ihrer deutschen Waschmaschine. Alles wäre duftig sauber. Um meine Wäsche duftig zu bekommen, oder länger als paar Stunden zu behalten, lege ich inzwischen Seifestückchen dazwischen, geklaut aus Motels. Damit habe ich wenigstens eine kleine Chance dem stetigen Gebrauch von Febreeze entgegenzuwirken.

Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere von euch: "Die hat doch total übertrieben". Nun ja, vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen. Inzwischen kann man auch hier Waschmaschinen kaufen, die Energieeffizient sind und dem deutschen Maschinchen näher kommen, aber das ganze hat auch seinen Preis. Das gute Mieleprodukt, was jetzt den amerikanischen Markt bevölkert, kann ich mir leider nicht leisten. Ausserdem gibt es da noch eine Frage zu beantworten: Wird sie mit einem Warnhinweis für "hot water" geliefert?

3 Comments:

At 8:35 PM, Anonymous Anonym said...

100%ge Zustimmung !!! Wir haben gestern gerade mal bei Best Buy Preise verglichen. Doofe Toploader gibts ab $200, gute Waschmaschinen ab $600 bis einiges ueber $1000.

Wir sind leider an den Toploader unserer Apartmentgemeinschaft gebunden, sonst haette ich das Geld schon laengst investiert. Auf der Atlantis hatten sie uebrigens die guten Waschmaschinen - die wissen auch, dass Arbeitskleidung sonst nicht sauber wird.

Die Temperatur ist fuer mich echt ein Problem, da ich eigentlich alles ueber 60 Grad waschen sollte, um die Hausstaubmilben zu killen (wir haben beide Hausstaubmilbenallergie). Nun friere ich die Waesche immer vorm Waschen ein - das ist auch ein Germkiller und zudem noch umweltfreundlich :-)

Dieses bloede hin und her geschubbere in der Waschmaschine macht auch echt alles kaputt auf Dauer und den Trockner braucht man eigentlich mehr zum Fusselentfernen als zum Trocken. Wir trocknen eigentlich immer aufm Staender und damit bleiben die Fussel leider dran.

Uebrigens faellt mir bei Deinem Bild vom Innenleben des Toploaders auf, dass man ihn vielleicht zu was viel besserem (stimulierenden) gebrauchen sollte, als zum Waschen...

 
At 9:03 PM, Anonymous Anonym said...

Geht uns auch so, die Waschmaschine und der Trockner waren schon im Apartment drin (und sind im Mietpreis eingeschlossen). Da kommt natürlich nix gutes rein, nur billiges. Ich habe heute eine Siemens-Waschmaschine in der Werbung gesehen (ich glaube es war auch Best Buy), und die sollte $999 kosten. Die ist sogar mit eingebauter Heizung, jammer. Aber wie gesagt, ich habe mich dem Schicksal schon ergeben, und mich an das amerikanische Waschverfahren gewöhnt. Es geht ja. Empfindliche Teile wasche ich per Hand, oder ich packe sie in einen Wäschebeutel und damit in die Maschine. Hilft ein bisschen.
Unser Trockner ist auch nix, ausser laut, aber für Handtücher und so reicht er. Alles andere kommt auch bei uns auf den Wäscheständer (manchmal trocknet es nur wegen der hohen Luftfeuchtigkeit nicht besonders).

 
At 12:31 AM, Anonymous Anonym said...

Das es etwas laenger dauert zum trocknen liegt bei uns nicht an der Luftfeuchtigkeit, sondern der hohen Waschmittelkonzentration in der Waesche, die sich immernoch ziemlich schmierig anfuehlt. Ein wichtiges Problem, gegen das wir noch keine Loesung gefunden haben, ist, dass die Waesche nachher nicht nur furchtbar fusselig, sondern auch nicht wirklich sauber ist. Auch vorbehandeln mit Rei aus der Tube hilft nicht wirklich. Vielleicht geht es ja doch noch mal zu BestBuz oder sonst jemand....

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home