Donnerstag, 3. August 2006

Bericht eines (erfolglosen) Hobbyfotografen

Genug für heute.
Stunden habe ich auf meiner Terrasse verbracht. Es ist Tag vier meiner bisher erfolglosen Jagd einen wirklich guten Schnappschuss von einem Blue Jay oder einem Kardinal zu schiessen. Mehrere Dutzend Fotos habe ich gemacht, aber keines ist gut genug um es in DIN A4 zu vergrößern. Warum ich das tue? Nun, meine Schwiegereltern wünschen sich ein schönes Bild von unseren gefiederten Freunden.

Mein Tag beginnt gewöhnlich wenn Volker auf dem Weg zur Uni ist. Da das meist nicht vor 9 Uhr morgens ist, fängt mein Tag erst um 9:30 Uhr an. Das ist aber nicht weiter wild, denn unsere Gartenbewohner haben sich schon an den Rhytmus gewöhnt, und kommen sobald sie die Terrassentür aufgehen hören. Von Kopf bis Fuß mit Anti- Mücke eingenebelt und mit einem Müsliriegel und einer Wasserflasche bewaffnet begebe ich mich also in Position. Meine Kamera mit Stativ ist aufgebaut und ich werfe den Köder, Erdnüsse, aus. Dann heißt es abwarten.

In unserem Backyard ist es ziemlich ruhig. Ab und zu hört man eine Klimaanlage summen oder einen Hund bellen. In den Bäumen zirpen die Zikaden. Im Baum gegenüber jagen sich die Hörnchen, und ein paar Vögel streiten sich um ihr Territorium, ansonsten ist es still wie im Grab. Nachbarn sieht man hier fast nie. Ein idealer Platz für mich und meine kleinen tierischen Freunde. Viele Schnappis habe ich hier schon gemacht, aber diesmal soll es ja etwas besonderes sein.
Futter zieht immer. Langsam trudeln sie ein: Herr und Frau Kardinal, zwei Jayjays und der kleine Wren. Ungeduldig flattern sie von Zweig zu Zweig. Ich warte also ab, dass das Federvolk Platz nimmt, was es natürlich nicht tut. Der Blue Jay hat sich näher getraut. Wie schön. Er mag Erdnüsse und Sonnenblumenkerne genauso gerne wie die Hörnchen. Leider ist er äußerst scheu. Blue Jays reagieren auf die kleinste Bewegung, und auch wenn sie mich inzwischen kennen, werde ich kritisch beäugt. In sicherer Entfernung sitzen sie meist minutenlang im Baum und gucken auf mich herunter, um dann, in einem unbeobachteten Moment, wie ein Adler zielsicher auf die Erdnuss zuzuschiessen, und damit zu verschwinden. Schnell sind sie. Es ist wirklich frustrierend. Ich kann inzwischen gut nachempfinden wie anstrengend der Beruf eines Naturfotografen sein muss: Tagelang durch die Gegend strolchen, sich stundenlang auf die Lauer legen, alles für das perfekte Foto – und ich will gar kein perfektes Foto, nur ein gutes, und das ist schon nicht einfach. Ich verlasse mich auf mein Glück und übe Geduld. Beides wird auf eine harte Probe gestellt. Ich habe auch nicht all zuviel Zeit, denn ab 13:00 Uhr kommt die Sonne um die Ecke, und dann habe ich fast keine Chance mehr. Die Mittagspause wird hier sogar von den Tieren eingehalten. Abgesehen davon, wird es mir auch zu warm, und ich verkrieche mich nach Drinnen.
Während ich also auf der Lauer nach Kardinälen und Jayjays liege, verpasse ich fast was noch so um mich herum passiert. Im Gras bewegt sich etwas Krabbelndes. Zuerst sehe ich es nur aus den Augenwickeln, aber schnell hat es mich neugierig gemacht. Was immer es ist, es lenkt mich von meinem eigentlichen Vorhaben ab. Schon ist die Kamera in meiner Hand, und ich verfolge das krabbelnde Etwas. Es ist eine Art Wespe, die ihre Beute, eine dicke grüne Raupe, in Sicherheit bringt. Sie schleppt sich ganz schön ab. Schnell ein Foto gemacht, und zurück auf Position. Vögel kommen und gehen, leider sitzt keiner lang genug auf dem Ast. Kein Glück heute, ich muss wohl noch etwas mehr Geduld aufbringen.

Fotos aus unserem Backyard:


Fotos:
1 -4 Herr und Frau Kardinal (das Männchen ist rot) warten auf ihre Futterchance
5-6 unser Blue Jay
7-8 eine Titmouse flüchtet mit 'ner Nuss und ein kleiner Wren an der Schale
9 wir haben ein rotbraunes Eichhorn!!!
10 unsere gewöhnlichen Plagegeister
11 Siesta, auch bei den Tieren
12 Beutezug

4 Comments:

At 3:03 PM, Anonymous Anonym said...

Ganz schoen haesslich der Kardinal. Auf dem ersten Bild erinnert mich das Gesicht an den "For the birds" Kurzfilm.

Mein Favorit ist das faulenzende Squirrel.

Uebrigens ist das letzte glaube eine Schlupfwespe und sie legt ihre Eier in die Raupe ab, aus der dann ihre Larven Schluepfen und die Raupe auffressen. Yummy....

 
At 6:35 PM, Anonymous Anonym said...

Ja, genau, Schlupfwespe, das könnte es sein. Ganz schön eklig die Vorstellung...Ich komme mir momentan sowieso wie im Horrorkabinett vor, überall nur Insekten um mich herum.
Wie gut das es OFF! gibt.

 
At 5:30 AM, Anonymous Anonym said...

Ich tendiere auch zum Squirrel. Wenn ich mal so überlege, die Wespe würde mich als Beute nehmen. Boah, da hätten die Larven aber zu mümmeln, bei meiner Größenordnung :-) Bä, also großen Bogen um dergleichen mach

 
At 7:26 AM, Anonymous Anonym said...

Also ich finde die Fotos alle richtig gelungen! Mein Favorit ist aber auch dein schlummerndes Squirrel!;o)

 

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