Haile Homestead
Am Sonntag bin ich mit Pat die Archer Road rausgefahren, um mir ein historisches Haus anzusehen. Ich glaube, ich hatte bereits erwähnt, dass es mir die Häuser hier sehr angetan haben. Eigentlich bin ich ja kein so grosser Fan von Geschichte, aber da die History of America nicht soweit zurück geht, ist es manchmal sogar sehr interessant. Abgesehen davon, bin ich immer am Schmachten, wenn ich ein Haus wie dieses sehe. Ich weiss nicht warum, aber es gibt Dinge, die verbinde ich einfach mit Amerika, und eine Frontporch mit Schaukelstuhl gehört absolut dazu.Das Haile Homestead ist eines der Gebäude, die noch aus der Zeit des Pre-civil-wars stammen, und wie zu vermuten, mit Hilfe der damaligen versklavten Farbigen entstand.




Das Haus kurz erklärt:
1) Blick wenn man auf das Haus zugeht 2) Eingang von der Frontporch 3) Backporch mit Blick in das Grundstück 4) Blick vom Garten auf die Rückseite
Das Haus gehörte einst der Familie Haile (Thomas Evans Haile mit Ehefrau Serena Chestnut Haile) aus Camden, South Carolina, welche sich im Jahre 1854 hier in Gainesville ansiedelten und mit dem Baumwollanbau begannen. Mit Hilfe versklavter Farbiger wurde das Haus im Jahre 1856 fertiggestellt. Das ist ungefähr das wichtigste was man zur Geschichte dieses Anwesens erzählen kann. Die komplette Geschichte der Hailes, die auch sehr interessant ist, könnt ihr hier lesen (auf Englisch).
Das Haus selbst ist ziemlich ungewöhnlich. Zum einen wurde es auf Sockeln gebaut. Offensichtlich wurde auch damals schon an Luftzirkulation und Ungezieferplage gedacht. Zum anderen ist das Haus fast leer, Möbelstücke oder liebevoll restaurierte Dinge gibt es hier nicht viele zu sehen. Noch aussergewöhnlicher: Die Familie hat, aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, die Angewohnheit gehabt an die (ungestrichenen) Wände zu schreiben. Diese Macke wurde von den deren Besuchern übernommen (im Haus wurden oft Partys mit den bedeutensten Familien der Gegend gefeiert), und nun findet man über 12 500 Worte dort im ganzen Haus verteilt. Ich fand Dinge wie : Rezepte, Notizen, Besucherlisten, gute Wünsche, persönliche Informationen und Malereien, beginnend im Jahre 1859. Allerdings hatte ich grosse Mühe sie zu entziffern, aber dazu hatte ich ja Pat mit, und es gibt auch eine 30 minütige Führung.
Hier noch ein paar Fotos:
1) Esther Serena Chestnut Haile
2+3) einer der wenigen Räume mit etwas Dekoration
4) das ist ein Chicken Leg- Zubereiter! Im Haus befand sich keine Küche, gekocht wurde Draussen wegen der Feuergefahr, aber dieses Stück ist ein Original und steht daher nun im Haus.
5+6) Was die Hailes so an die Wände schrieben
7) Familie Haile hatte 13 Kinder, und unterrichtete diese Zuhause. Das Bild zeigt den Schrank, mit ein ein paar Dingen, die aus deren Zeit stammen.
8) der Nursery Room
9+10) die Räume sehr spärlich ausgestattet, wie bereits beschrieben
11+12) das Schlafzimmer
13) der Treppenaufgang (oben befinden sich die zwei Kinderzimmer für, wie gesagt, 13 Kinder)













Das Haus hat insgesamt 10 Zimmer, mit teilweise hohen Decken und ist sehr geräumig.
Nach der Führung kann man sich, solange man will, im Haus aufhalten. Ich habe mir noch ein wenig angeschaut was an dem Haus restauriert wurde (Bild 1 - und glaubt mir, das ist nicht viel), warf einen Blick auf die Fotos der Familie und ein wenig Geschichte dazu (Bild 2) , überflog die Gästeliste aus dem Jahre 1905 (Bild 3), und ach ja, einen Film haben sie hier auch gedreht (Bild 4)






3 Comments:
Bei DEM schmalen Bette mussten ja 13 Kinders zustande kommen:-) Und zu dem Pott unterm Bett fällt mir was ein, was wahr und wahrhaftig ist.
Als ich 1999 das erstemal in Canada bei den Verwandten meines Ex auf der Farm war, ist mir dieses genau passiert. Badezimmer unten und die Schlafräume oben. Das ist ja nun eigentlich ganz normal. Nicht in dem Haushalt. Das ganze Haus war seit Jahrzehnten irgendwie ein Provisorium und man tat gut daran, nächtlicherweise nicht die irrsinnig steile Treppe nach unten zu benutzen. In Ermanglung elektrischer Leitungen war das ganze Haus mit Verlängerungskabeln ausgestattet und diese lagen kreuz und quer eben auf dieser besagten mehr als schlecht beleuchteten Treppe rum. Hatte man nun ein dringendes Bedürfnis, stand unter jedem Bett ein herrlich kitschig bemalter Pinkelpott mit Deckel. (meiner war mit Rosen bemalt ) Den trug man dann mehr oder weniger vorsichtig morgens ins Bad. Ich hatte mir angewöhnt, ab frühen Abend nix mehr zu trinken. Als mir meine Cousine am ersten Tag diesen Pott zeigte dachte ich noch, daß sie mich auf den Arm nehmen wollte. Mitnichten nein!
Guck an, im modernen Zeitalter mit Pinkelpott ;-)
Bei diesem Haus hättest Du in den Garten gemusst, denn Badezimmer gab es da ja noch nicht, auch keine elektrischen Leitungen. Trotzdem ist es schon ein sehr schönes Haus, und die Aufteilung der Räume ist gut durchdacht. Von der Backporch konnte man in einen Sick-Room gelangen, hatte Zugang zum Schulzimmer, zum Office und zum Herrenzimmer. Die feine Gesellschaft vorne im Haus war also ungestört. Was auch absolut cool ist: Im Fußboden gibt es in den Ecken Löcher, kreisrund und im Durchmesser eines dickeren Tischbeines. Dort wurde der Dreck durchgefegt - praktisch, oder? Ich wollte es ja nicht glauben, aber nach einer Weile hat mich dieses Haus echt gefangen. Mit Sicherheit gehe ich nochmal hin, vielleicht zur Weihnachtssaison. Dann wird das Haus "belebt", und es gibt Kakao, Tee und Cookies. Würde mich wirklich interessieren, und ich habe gehört, das auch ab und an ein Nachkomme der Hailes dort auftaucht.
Tja, Badezimmer gab es wohl in dem Haus. Das war total vollgestellt mit der überdimmensionalen Rührschüssel von Waschmaschine. Duschen war nur mit braunem Wasser, es war recht eisenhaltig und die Klospülung musste man mindestens 3x betätigen, um das Ergebnis wegzubekommen, Ich war immer glücklich, wenn ich von der Farm weg und unterwegs war. Dann konnte ich wenigstens genussvoll baden und auf den Pott gehen. Die letzten Aufenthalte habe ich dann immer wohlweislich in schönen Hotels verbracht und einen großen Bogen um das Chaos gemacht. Am 4.Oktober bin ich wieder für 16 Tage in der Gegend, aber habe so viel vor, dass ich "leider" dort keine Station machen kann. Freue mich schon unbeschreiblich darauf.Von Moncton ( New Brunswic ) bis runter zu den Niagarafällen.
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