Quasselwasser
Ich mag nicht zum Telefonhörer greifen um jemanden anzurufen, ohne das ein wichtiger Grund vorliegt. Warum auch, es gibt ja Email, und in der heutigen Zeit sollte fast jeder einen PC haben. Gut, das hat alles seine Vor- und Nachteile, aber ich habe schon immer lieber geschrieben als gequatscht.
Heute musste ich dann aber dochmal meine Abscheu vor dem Knisterphone überwinden, da ich tatsächlich jemanden kenne, der KEINEN PC-Zugang hat (was unglaublich ist, sogar meine 84jährige Lehrerin hat einen PC und müllt mich mit Emails zu).
Sabine habe ich vor einiger Zeit durch meine eine Schule kennengelernt. Sie suchte händeringend jemanden der mit ihr Deutsch spricht. Als gebürtige Russin, mit mehreren Jahren Aufenthalt in Leipzig und Berlin, hat sie hier nun das Problem Englisch lernen zu müssen, und Deutsch nicht wieder zu verlernen. Ihr Mann spricht es zwar auch etwas , aber zuhause wird dann doch auf Russisch gewechselt. Nach einem Adressenaustausch rief sie jetzt vor ein paar Tagen an, als ich wohl gerade mal ausser Haus war, und heute habe ich es per Zufall gesehen. Ich wollte gerade alle Anrufe löschen, die so in den letzten Wochen angerufen hatten, und überflog so die Nummern, als es mir in die Pupille stach: Anruf von Sabine. Da musste ich also unbedingt anrufen.Vielleicht könnte ich sie ja zu meiner Di+Do Gruppe gewinnen. Zu meinem Glück war sie da, und lud mich auch gleich ein vorbeizukommen.
Bei einer gemütlichen Tasse Tee fingen wir also an zu erzählen, und die Zeit verging wie im Fluge. Plötzlich war es später Nachmittag, und wir hatten es gar nicht gemerkt. Nun, für Schule war es zu spät, also klönten wir weiter, bis plötzlich ihr Mann nach Hause kam - es war schon 8 PM. Ich machte mich also schnell auf den Weg, nach guten 8 1/2 Stunden Quatscherei. Fast Zuhause angekommen, wunderte ich mich etwas, dass Volker noch nicht angerufen hatte. Sollte meine Laborratte, welche ohne Tageslicht arbeitet (auch im Büro) etwa noch nicht zuhause sein? Die Lösung fand ich auf dem Sofa: Im Dunkeln, mit seinem Notebook beschäftigt, mich überhaupt noch nicht vermissend. Eigentlich hätte ich ja nun gern gemault, aber mir war nicht mehr danach. Ich war erschöpft, zuviel Quasselwasser auf einmal.


7 Comments:
8,5 Std. Dauerquasseln, ne echt coole Leistung. Das schaff ich nich, bei mir sind´s berufsbedingt nur 8 Std. und danach bin ich total geschafft. Aber Deine Quasselei dürfte auf alle Fälle ergiebiger und netter gewesen sein, als meine Ommagespräche.
Das hoert sich ja nett an. Wir versuchen hier in San Francisco gerade Leute kennenzulernen. Hast du einen Tipp wie man das in den USA macht?
Gruss
Verona
Hallo Verona!
Ich glaube deine Frage ist aus meiner Sicht schwer zu beantworten (ist aber auch ganz klar eine Frage der eigenen Persönlichkeit). Wir sind nun schon über 2 1/2 Jahre in der Studentenstadt Gainesville, und kennen eigentlich auch keinen. Volker ist mit seinem Job gut ausgelastet, und ich bin nicht der "outgoing Type", wenn ich das mal so formulieren darf. Ab und zu ergibt sich ein Treffen mit Volker's Kollegen, und ich gehe zu verschiedenen "Conversation classes" (aber so wie ich es verstehe, bist Du ja berufstätig, und nicht, wie ich, Hausfrau mit H4 Visum). Dort habe ich viele nette Leute kennengelernt, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich, und trotzdem ist es fast ein Wunder wenn man sich mal privat trifft. Die Interessen sind zudem auch sehr verschieden. Daher kann ich dir mit Tipps nicht weiterhelfen, hoffe aber, dass ihr mehr Glück habt. Ich werde wohl aktiver werden müssen, und suche nach Volunteerstellen, die meinen Interessen entgegenkommen.
Verona, schafft Euch einen Hund an, dann kommt ihr ins Gespraech (und wenn es ein Chinese ist, der ihn braten will) ;-)
...Mit dem Hund? Ich weiss ja nicht, ob der Hund antwortet....
Ich kann dazu nur sagen: Ich kenne hier jeden Köter in der Nachbarschaft beim Namen. Das gilt leider nicht für deren Besitzer. Darüber könnte ich übrigends auch noch einen Blog schreiben ;-)
Ach ja, und wenn ich meinen asiatischen Freunden glauben darf, dann essen sie gar keine Hunde (nur sowas ähnliches) ;-)
Das mit dem Hund koennen wir bald austesten, wenn wir fuer einen Kollegen Housesitten. Die koennen den auch tagsueber fuer acht Stunden in einen kleinen Kaefig sperren, was der Vorteil gegenueber einem Kind ist.
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