Donnerstag, 20. Januar 2011

Alles Neu macht der .... Januar

Mit Beginn 2011 hat sich hier in Brownsville einiges getan. Brownsville will grüner werden.

Da wäre zum Beispiel die Abschaffung von kleinen, flimsigen Plastiktüten in den Geschäften. Nein, ich sollte es die Reduzierung vom Gebrauch solcher bezeichnen, denn ganz weg sind sie ja nicht. Weiterhin erlaubt sind Tütchen für Obst und Gemüse, sowie Fleischprodukte. Papiertüten sind weiterhin erlaubt, soweit ich weiß, müssen allerdings aus Recyclematerial bestehen. Wer, als Geschäftsbetreiber, sich dem Gesetz widersetzt, muss eine Strafe von $500 zahlen.
Wie auch immer, seit 01.01.11 heißt es:
bring deine eigene Tasche, Pappkarton, Einkaufskörbchen oder was auch immer mit, lege dir eine wiederverwendbare Einkaufstasche zu (für 25 cent bis max. $1) oder bestehe auf deine stabile Plastiktüte und zahle $1 Strafe zu Gunsten der Umwelt. Wohlgemerkt, $1 für deinen gesamten Einkauf, nicht pro Tüte. Der Erlös soll zur Beseitigung der Verschmutzung an Straßenrändern gehen.

Vielleicht erinner ihr euch noch an meinen Post von damals? Dort hatte ich mich über Einkaufsgewohnheiten ausgelassen. Wenn nicht, dann ist hier eine kleine Erinnerungsstütze:

Link

Bereits Monate vorher wurde heftigst die Werbetrommel für den Plastic Bag Ban gerührt, mit dessen Einführung Brownsville seinen trashy look loswerden soll.
Die hunderte von rumfliegenden Tütchen sind auch wirklich kein schöner Anblick.
Dennoch, wie bei vielen neuen Dingen, gibt es Leute, die sich dafür sofort begeistern können, oder aber Leute, die erstmal heftigst dagegen wettern. Es vergeht kein Tag, an dem nicht ein oder mehrere Artikel dazu in unserer lokalen Zeitung im Leserbrief zu finden sind.
Mit Sicherheit hätte man eine andere Lösung finden können, klar, aber nicht mit Argumenten wie diesen:

- die (wiederverwertbaren) Tüten sind nicht hygienisch, ein Ausbruch von Erkrankungen ist vorprogrammiert.
Hallo? Schon mal was von einer Waschmaschine gehört?

- die wiederverwertbaren Tüten nehmen zuviel Platz weg und sehen unordentlich im Auto aus
Dazu sage ich jetzt besser nichts.

- die Taschen sind zu groß, der Einkauf ist unsortiert und würde in der Tasche Chaos verursachen.
Ich bin sicher, die Packer an der Kasse werden mit der Zeit den Bogen rausbekommen oder sogar geschult. Bis dahin gönnt eurem (eingepackten) Weißbrot doch mal etwas Kuschelkontakt mit der Cola. Alles braucht seine Zeit...

Das bringt mich zum nächsten Punkt.
- Der Vorgang an der Kasse dauert nun doppelt solange.
Sorry Bromexis, ihr seid sowieso nicht die Schnellsten. In Deutschland wärt ihr schon gefeuert. Außerdem, wisst ihr eigentlich wie gut ihr es habt? Den Job des Packers gibt es bei uns eher selten .... legt einfach einen Gang nach.

- wenn ich $1 Strafe zahlen soll, dann kaufe ich halt in einer anderen Stadt ein
Prima, tut das! Mal sehen, wie lange ihr das durchhaltet. Ich habe keine Lust meinen täglichen Bedarf mit noch einer (zusätzlichen) Stunde Autofahrt pro Richtung zu verbinden. Ich mag auch nicht ewig tanken, Benzinpreise sind auch hier schon fast bei $3 die Gallone, und so ein SUV oder Truck schluckt was ...

Das nur mal zur Erheiterung :)
Natürlich löst es immer noch nicht das Problem, aber die Stadt versucht zumindest irgendwie die Sache anzupacken. Vielleicht ist es eine Verzweiflungstat. Ob es von Erfolg gekrönt sein wird - ich weiß es nicht. In Orten wie Austin oder Laredo ist das Projekt gescheitert.
Wir, für unseren Teil, gehen ... äh ... fahren jetzt jedenfalls ganz brav mit unseren Einkaufstaschen und Kühlboxen los, wie wir es mal gewohnt waren.

Ein weiteres Projekt zum Thema "Greener Brownsville" ist Recycling. Es gibt tatsächlich in Downtown einen Abwurfplatz dafür. Volker und ich haben seitdem nun auch wieder mit der Trennung angefangen. Zugegebenermaßen fällt es mir schwerer als gedacht, denn die Entsorgung ist noch verbesserungsbedürftig. Parken in der Woche ist so gut wie unmöglich und organisiert ist das Ganze auch noch nicht.
Aber, auch hier hat die Stadt einen Versuch gestartet:

200 auserwählte Bürger in einer der Nachbarschaften hier haben zu ihrer normalen Mülltonne Recyclingcontainer bekommen (in der Größe einer Klappbox oder etwas mehr), die sie in den nächsten 90 Tagen benutzen sollen. Getrennt wird Papier und Plastik. Um das Ganze auch nicht durcheinander zu bringen, erfolgt die Abholung an einem anderen Tag als die normale Müllabfuhr. Sollte es sich als nicht erfolgreich zeigen, wird halt nicht mehr recycled ....
Moment ... what? Wenn diese 200 Personen es nicht hinkriegen, können es die anderen 140.000 auch nicht? Verstehe ich das jetzt richtig? Und warum, bitte, kann die Abholung nicht an ein und demselben Tag erfolgen?

Ich glaube, es gibt hier noch einiges geradezurücken bis aus Brownsville Greenville wird, aber wie heißt es doch so schön:

Aller Anfang ist schwer - doch zumindest ist ein Anfang gemacht.

Ich halte meine Öhrchen offen, mal sehen was der nächste Monat an Neuem bringt :)

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2 Comments:

At 1:49 PM, Anonymous Anonym said...

Hallo Michi

wäre doch eine tolle Aufgabe deine Erfahrungen aus jahrelanger Mülltrennung in Deutschland jetzt in Brownsville als Beraterin einzubringen. Vieleicht ist dann auch mal eine Urkunde oder ein Pokal für dich übrig.
Noch besser wäre ein Beratervertrag in der Gemeinde. Gruß H

 
At 6:40 PM, Anonymous Inchen said...

Stimmt:-) Lt. Nachrichten hat Italien im Januar auch die Plastiktüten abgeschafft. Wie schmeißen die Italiener nun ihren Müll auf die Straße? Es ist wieder kalt geworden. Bä. Der Hauch von Frühling ist weg und Otto behält ihre Federn. Ich fahre Montag für eine Woche zum Seminar nach Göttingen in eines unserer Schwesterhäuser. Kann nich ohne da GDA. Wird anstrengend. ABer zumindest ist da Essen dort gut. Die haben bessere Köche als wir und die Gästzimmer sind sehr gemütlich. Nur abends aufn Schwutsch ist schwierig. Das Stift liegt recht außerhalb und die Busverbindung ist nicht überwältigend. Vor allen Dingen abends. Und das nennt sich Studentenstandt:-( Na. wir werden es überleben und wo ein Bierwille ist ist auch eine Beförderungsmöglichkeit.

 

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