Sonntag, 13. April 2008

Georgia on my mind

Unseren Savannah-Trip holten wir dann den Sonntag nach dem Bowlen nach. Gleich nach dem Frühstück ging es zu viert los. Harry wollte fahren, somit waren Sigrid und ich für die Route zuständig, und Volker durfte mal ausspannen. Nach etwas über 4 Stunden waren wir dann da, nun hieß es noch ein Motel finden (nach Möglichkeit im historischen Bezirk).

Dieses gelang uns auch ziemlich schnell; gut an der Oglethorpe Avenue gelegen und sogar bezahlbar. Die historischen Inns wären natürlich hübscher gewesen, aber da muss man dann auch tiefer in die Tasche greifen. Immerhin war unsere Unterkunft das "hippeste kleine Hotel in der Stadt", was eindeutig an den Farben liegen muss ...

Nachdem wir also nachmittags Quartier bezogen hatten, schnappten wir uns eine der letzten Trolleytouren um einen Überblick für die Stadt zu bekommen. Chris, unser Tourguide, erzählte auch gleich munter drauf los.
Savannah ist voller Geschichten; mysteriöser Art und Weise, kriminell oder voller Herzschmerz. Dazu dieser klasse southern accent - einfach nur schön, wenn auch manchmal schwer zu verstehen. Irgendwie entführt es einen in eine andere Welt.

Savannah gilt als eine der schönsten historischen Städte Amerikas und wurde, um euch mal ein wenig mit der Geschichte vertraut zu machen, 1733 von James Oglethorpe als eine der ursprünglichen 13 Kolonien gegründet. Direkt am Savannah River gelegen, ist es heute noch eine wichtige Hafenstadt, und früher boomte dort der Baumwollhandel.

Savannahs interessantester Punkt ist zweifellos der historische Kern der Stadt. Der historische District ist in 24 Squares eingeteilt (jeder völlig anders gestaltet) und macht den Charm der Stadt aus. Hübsch begrünt und umgeben von liebevoll restaurierten Gebäuden, könnten wir uns hier durchaus wohlfühlen.

Für Tina und Steffen erwähne ich jetzt noch ein wenig Hollywood. Erinnert ihr euch vielleicht noch an die Parkbank auf der Forrest Gump gesessen hat?


Forrest wartet auf einer Bank am Chippewa Square auf den Bus. Die Bank steht heute leider zur Sicherheit im Savannah History Museum, aber bei jeder Tour wird darauf hingewiesen. Das Hollywoodteam hat damals die Bank einfach mitgenommen, und es hat eine ganze Weile gedauert, bis Savannah sie zurückbekommen hat.

Meine Neugierde wurde allerdings eher durch ein Buch geweckt, welches in Savannah spielt und den Charakter der Stadt so herrlich beschreibt, dass ich total drin versank. Ich spreche von Midnight in the Garden of Good and Evil. Es wurde 1997 von Clint Eastwood verfilmt. Hatte man mir schon vorher von verschiedenen Seiten zugetragen, dass es sehr lohnenswert sei einen Abstecher nach Georgia zu machen, so brauchte es dann noch den Film zum Buch um auch Volker zu überzeugen.
Zurück zu unserer Tour. Nachdem wir in 90 Minuten so einen kleinen Überblick gewonnen hatten, beschlossen wir das ganze mit einem Abendessen zu verdauen. Es ging kurz zum Motel zurück, und dann machten wir uns zu Fuß auf. Das Wetter war klasse und somit strolchten wir nach dem Dinner noch an der Riverfront entlang.

Riverfront
River Street geht, wie der Name schon vermuten lässt, entlang des Savannah Rivers. Von der in Stadthöhe ziemlich parallel verlaufenden Bay Street mussten wir über sogenannte "street ramps" (ungleichmäßig ausgeformte und steile Treppen) hinuntersteigen. Vorher kommt man noch am Wahrzeichen Savannahs vorbei, dem
"waving girl".
Hierzu gibt es eine nette Geschichte.
Florence Martus (1869-1943) war die Tochter des Leuchtturmwärters auf Cockspur Island und es wird gesagt, dass sie als sehr junges Mädchen einem jungen Seemann versprach auf sein Wiederkommen zu warten.
Um die erste zu sein, die den Liebsten bei seiner Rückkehr begrüßte, begann sie im Jahr 1887, jedem einkommenden Schiff bei Tag mit einem weißen Tuch und bei Nacht mit einer Laterne entgegenzuwinken. Sie wartete auf ihre verlorene Liebe ein Leben lang vergebens, denn der junge Mann kehrte nie zurück. 44 Jahre, nämlich bis zum Jahr 1931, hielt sie am Leuchtturm wachsam Ausschau. Muss das Liebe sein? Schön, oder?
Wenn ihr jetzt noch die nackte Wahrheit vertragen könnt, verrate ich euch, dass das wohl eher die Georgia-Touriversion ist. Dieses Mädchen gab es zwar wirklich, aber die Geschichte ist etwas anders. Wer sie nachlesen möchte, kann das hier tun.

Noch ein paar Bilder von der Riverfront (zum Vergrößern, wie immer, auf die Bilder klicken oder rechte Maustaste benutzen und in einem neuen Fenster öffnen)


Nach unserem Abendessen wurden wir durstig, und so kehrten wir in eine Bar ein.
Völlig unamerikanisch bekommt man hier zu seinem alkoholischen Getränk einen To-go-Becher, in den man seinen Drink umschütten kann um ihn mitzunehmen - feine Sache ;) Wo kann man sonst mit einem Pappbecher voller Bier oder mit einem Cocktail öffentlich durch die Straßen ziehen (außer vielleicht in New Orleans)?

Am nächsten Morgen war das Wetter leider nicht mehr so sonnig sondern feucht und sehr bedeckt. Meine geplante Fotosession wurde somit zunichte gemacht, aber wir ließen es uns nicht nehmen nochmal ein paar Plätze und Squares abzugehen. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, entdeckt man viele kleine Details, die man sonst übersehen würde. Seien es die schmiedeeisernen Geländer, üppigen Verzierungen oder einfach nur liebevoll gestalteten Blumentöpfe, irgendetwas gibt es immer zu entdecken. Leider reichte unsere Zeit nicht, denn wir wollten ja noch entlang der Küste fahren. Sie soll sehr naturbelassen sein und ein Schmuckstück Georgias darstellen. Ob wir allerdings viel zu sehen bekommen würden, wer weiß. Hier erstmal noch ein paar Eindrücke von unserem Fußmarsch.


Wir kamen am Metropolitan Police Department vorbei ...


Ein Stück altes Savannah sind diese beiden Polizeiwagen



"Rest in peace?". Volker machte es sich erstmal auf dem Colonial Cemetery gemütlich. Einige dieser Stätten sollen sehr alt sein, die Stadt ist nämlich wortwörtlich auf seinen Toten aufgebaut. Als die Kolonie zur Hafenstadt wuchs, wurden die Grabstätten beseitigt (oder manche auch nicht) und Häuser direkt darauf gebaut. Schon bevor die ersten Siedler in Savannah ankamen gehörte das Gebiet den Creek und Choctaw People, welche ihre Stätten um die Toten herum bauten. Savannah hatte schon immer "paranormalen" Charakter. Überall trifft man auf Voodoo, haunted houses oder aber andere mysteriöse Krimigeschichten und seine Ghost-Tours (zu Fuß oder per Leichenwagen) sollen erstklassig sein :) Als Hafenstadt gab es natürlich auch Piraten, und Savannahians sind abergläubisch, was man daran erkennt, das es eine spezielle Farbe gibt, in der Fensterläden und Türen gestrichen wurden, um das Übel fernzuhalten. Wer Lust hat googled vielleicht mal Savannahs Geschichte ;)
Mein spezielles Interesse hätte dem Bonaventure Cemetery gegolten, denn dort stand die Figur, welche auf dem Cover abgebildet ist. Leider konnten sich die vielen Touristen, etliche erst durch den Film angezogen, nicht beherrschen die Statue nicht zu beschädigen. Stück für Stück wurde sie "angeknabbert" bis man sie schließlich in das Telfair Museum brachte (Foto rechts). Da ich unbedingt den natürlichen Hintergrund haben wollte - da sind sie wieder, diese tollen Oak trees und das Spanische Moos - verzichteten wir dann aber auf den Eintritt und machten uns statt dessen auf den Wg entlang der Küste.

Wie bereits erwähnt, war das Wetter nicht gerade berauschend, und wenn man in Georgia zur Küste will, hat man es auch nicht einfach. Es gibt nur ein paar Verbindungen zu den vorgelagerten Inseln, und somit sieht man auf der "scenic route" nichts spannendes.
Wir machten aber noch einen Abstecher nach Tybee-Island, wo wir das Fort Pulaski besuchten.

Da Draußen wurde es Sigrid und mir dann aber sehr schnell zu kalt und somit machten nur Volker und Harry einen Gang oben auf dem Fort entlang, bevor wir uns - mit Zwischenstop für einen kleinen Snack- wieder auf den Heimweg machten.
Obwohl es nur ein sehr kurzer Ausflug war, können wir sagen: Uns hat es gut gefallen, und zumindest Volker und ich hoffen nochmal einen Abstecher hierher machen zu können.

2 Comments:

At 3:24 PM, Anonymous Anonym said...

Klasse Michi

ich habe nicht gedacht nocheinmal die Geschichte der Stadt nachlesen zu können.Von wegen langsame Sprechweise von unserm Busfahrer. Oder war es der Slang den er drauf hatte? Jedenfalss werde ich die Geschichte noch einmal lesen. Harry

 
At 10:19 AM, Anonymous Anonym said...

Das sieht ja wirklich sehr nett aus. Irgendwann muss ich wohl auch nochmal was anderes als Kalifornien in den USA angucken (aber das wird wohl nichts mehr solange wir hier sind).

Viele Gruesse aus San Francisco
Verona

 

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