Montag, 16. Oktober 2006

Haarige Geschichten

Ich habe meinen ganzen Mut zusammen genommen und bin zum Friseur gegangen.
Nun wissen sicherlich einige von euch, dass das eine komplizierte Geschichte werden kann, wenn man nicht so 100%ig genau weiß was man will. In meinem Fall, ich weiß es nie. Es soll gut aussehen, pflegeleicht sein und nach Möglichkeit zu meinem Typ passen - ganz einfach. Was sie dann mit mir machen überlasse ich gern dem Friseur, denn die sollten es eigentlich gelernt haben und etwas Typenberatung können. Auch wenn ich gern in Deutschland zum Friseur gehe, so habe ich ja nun nicht mehr viel Möglichkeit dazu, maximal einmal im Jahr - also musste ich mir hier jemanden suchen.
In Gainesville kann man sein Haar (als Frau) für ab $6.99 geschnitten bekommen, dass ist dann ein Trockenschnitt bei Great Clips for Hair (die schneiden nur trocken). Da ich überhaupt keine Ahnung hatte wer gut ist, habe ich dort meinen ersten Versuch gestartet. Ein teurer Friseur kann genauso in die Hose gehen, und das Risiko habe ich auf mich genommen. Wie schwer kann es sein? Ein wenig nachschneiden werden sie wohl können. Mein erster Anlauf war gar nicht so schlecht, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob die junge Frau vielleicht Selbstmordabsichten hatte, so wie sie die Schere hielt. Naja, fairerweise gestehe ich ihr zu, dass sie wenigstens den Mut hatte mein Haar durchzustufen, was nicht besonders gekonnt war, aber immerhin habe ich Haar gelassen - und das ist nicht unbedingt einfach. Hier herrscht offensichtlich Panik davor zuviel Haar abschneiden, was sich im Florida Einheitslook (langes glattes Haar, mal getüddelt, mal offen) zeigt. Ach ja, und völlig untypisch fand ich: Die reden nicht mit jedem. Es war schon fast unheimlich wie wenig Worte wir gewechselt haben, und das obwohl Amerikaner eigentlich Small-talk lieben. Ich beschloss für's nächstes Mal einen anderen Salon auszuprobieren, diesmal etwas teurer und horchte mich um.
Mein zweiter Versuch war in der Oaks Mall, auf Empfehlung meiner Klassenkameradin. Sie war dort gewesen, sah super aus und war völlig zufrieden. Also bin ich zur Oaks Mall gefahren. Dort gibt es zig Friseursalons, und es ist eigentlich immer Betrieb, aber Mia und Maxx sollte es sein.
Hier brauchte man zumindest schonmal einen Termin, der Salon sah ne ganze Ecke professioneller aus, und die Jungen Frauen hatten wenigstens größtenteils fesche Haarfrisuren. Ich wurde also in den Terminkalender eingetragen (vorher gefragt von wem ich die Haare gekürzt haben möchte - wusste ich natürlich noch nicht, also egal) und gefragt, was gemacht werden soll. Hier gab es das volle Programm, aber mir reichte Waschen und Schneiden, keine Farbe, keine Highlights. Ob ich die Haare auch geföhnt haben will? Ja bitte, ich geh so ungern mit nassem Haar durch die Mall einkaufen. Föhnen kostet auch hier extra, zwischen 5 und 10 Dollar.
Zum verabredeten Termin erschien ich ein paar Minuten eher, und die Friseurin, eine etwa 50jährige Inderin, nahm mich auch gleich mit, drückte mir ein Frisurenbuch in die Hand und verschwand für zwei Minuten. Als sie wiederkam, fragte sie was ich möchte, und ich versuchte also, mit meinem nicht vorhandenen Friseurvokabular, der Lady begreiflich zu machen, dass ich a) mein Haar gerne mindestens 5 cm (2 inch) kürzer haben möchte, b) keinen kurzen Pony (bangs) und c) gestuft (layers). Na gut, sie nickte, führte mich zum Waschbecken und ich bekam eine klasse Haarwäsche mit Kopfmassage. Soweit war ich schonmal sehr zufrieden. Sie fragte mich auch, ob ich vielleicht noch meine Augenbrauen gemacht haben möchte, was ich aber verneinte. Danach ging es dann los. Sie kämmte mein Haar und fing an "You have bad hair. How often do you cut your hair? Hm, mein letzter Schnitt war in Deutschland gewesen, also ungefähr 4-5 Monate her. "Do you use conditioner?" Klar, jeden zweiten Tag. "No, you do it wrong. With your hair you need to cut it every other month (alle zwei Monate), and you have to use conditioner overnight (einwirken über Nacht). I tell you how to do it." Sie quatschte mich also erstmal voll, und obwohl ich für jeden Tip dankbar bin, meine Haare haben hier tatsächlich Steckdoseneigenschaft, fühlte ich mich schon etwas bemängelt. Danach fragte sie nochmal, wie kurz und meinte plötzlich "you have less hair"(wenig Haar). Wenn ich mich bis dahin noch halbwegs auf meinen neuen Haarschnitt gefreut hatte, war ich jetzt nicht mehr so sicher, ob ich nicht vielleicht eine Plastiktüte kaufen sollte, und das ganze Geschehen fluchtartig verlasse. Ich bin nunmal nicht indisch, und habe kein volles, glänzendes schwarzes Haar. Um es kurz zu machen, sie schnitt mir mein Haar sehr schön gleichmäßig, aber leider konnte ich sie nicht dazu bewegen mein Haar noch etwas kürzer zu schneiden, und richtig durchgestuft war es nacher auch nicht. Sie meinte, dass es noch kürzer nach dem Föhnen wäre, und zuviel wolle ich ja nicht. Was sollte ich da sagen? Nach "bad hair, less hair" und ständiger Bemängelung war meine Stimmung auf Null gesunken, also wartete ich das Ergebnis ab. Sie föhnte mein Haar, es ging dann auch ohne Plastiktüte, und ich bekam die Rechnung von $30 (plus Tip 15%). Ergebnis: Es war nacher wenigstens eine schöne Länge zum zwirbeln und hochstecken, aber ich bekam jeden Morgen eine Krise beim Kämmen und stylen.
Da ich aber jedem eine zweite Chance zugestehe, habe ich mir für heute wieder einen Termin im selben Laden geben lassen, aber mit einer anderen Friseurin. Aus dem Internet hatte ich mir einen Haarschnitt ausgesucht, und dieses Mal war ich auch schon auf einen Kampf eingestellt, wenn es um die Länge geht. Zu meiner Überraschung hatte Juliane überhaupt kein Problem mit Haare kürzen, nur wie sie hier Stufen reinschneiden ließ mich stark wundern. Es ist mehr ein wahlloses Reingehacke, erfüllt aber seinen Zweck. Sie hat mein Haar gekürzt (ca. 10 cm), es durchgestuft, und mich nicht zu Tode gequatscht. Das geföhnte Ergebnis war zufriedenstellend, und ich bin nicht depremiert, sondern eigentlich guter Laune aus dem Laden rausgegangen. Ob es mir steht ist Geschmackssache, aber heute fand ich es gut. Leider hat es auf dem Weg nach hause angefangen zu regnen, und ich hatte keinen Schirm mit. Daher ist das Foto nicht mehr ganz so fluffig. Morgen sehe ich mal, wie ich mit meinem neuen Schnitt klar komme. Es ist jetzt vorne etwas länger als im Nacken, hinten mehr durchgestuft, ich habe mal keinen fransigen Pony, und Volker ist von meinen kürzeren Haaren nicht geschockt. Was will ich mehr?

Bis zum nächsten Blog, eure

4 Comments:

At 10:25 PM, Anonymous Anonym said...

Sieht gut aus. Ich habe mich noch nicht getraut, denn ich wuesste auch nicht wo, da es bei uns in der Gegend eigentlich nur chinesische Friseure gibt (und ob die mit meinem Haar was anfangen koennen). Und eigentlich wollte ich mir ja in Deutschland noch einen Kurzhaarschnitt machen lassen (da hat sich die Friseuse aber nicht getraut), aber hier haben Frauen einfach keine kurzen Haar. Also lass ich's vielleicht einfach.....

 
At 10:05 AM, Anonymous Anonym said...

Hm, ob ich unbedingt zu einem chinesischen Friseur gehen würde weiß ich auch nicht, aber das Telefonbuch gibt es ja auch noch. Dort habe ich nach Friseurläden gestöbert, und im Internet. Es gibt hier viele dieser Kettensalons, trau dich einfach mal. Kleiner Tip: Nimm ein Foto mit, von Dir oder von einem Haarschnitt der Dir gefällt - nach Foto schneiden sie zumindest hier oft und gut.
Ich bin jetzt übrigends zufrieden, mein Haar lässt sich gut stylen, nachdem ich mir extra eine monsterdicke Rundbürste gekauft habe ;-) und ich fühle mich mit weniger Gewicht am Kopf gleich viel wohler.

 
At 1:29 PM, Anonymous Anonym said...

Steffen hat sich im Sommer in Deutschland die Haare schneiden und dann von meiner Mum Fotos machen lassen. Damit war er vor kurzem hier beim Friseur und ich finde, es sieht gut aus. Er ist glaube nur 80% zufrieden, aber er muss sich ja auch nicht die ganze Zeit angucken ;-).

Wir gehen immer zur Kette "Supercuts", was sich, wie ich finde, wie eine Super-Hero-Mieze anhoert (Die Super-Katz). Naja, Small Talk machen sie da wirklich viel und ich moechte mich immer am liebsten unter dem Cape verkriechen. Bin doch so schlecht darin, ausser, wenn ich nen Sekt trinke - und den gibts da nicht. Nur hohe Konzentrationen an Hairspray in der Luft - das macht mich nicht so gespreachsfreudig. Zumindest haben sie bei meinen langen Haaren noch nie was falsch gemacht und beleidigt haben sie meine duennen Straehnen auch noch nicht :-)

 
At 7:44 AM, Anonymous Anonym said...

hey das sieht doch super aus , steht dir gut . hast du fein gemacht

 

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